skip to content

Produktion 1993: Drei Männer im Schnee

Presseberichte

 

 

 

Montag, 15. März 1993

Chamer Volksbühne feierte Premiere mit «Drei Männer im Schnee»

von Cäsar Rossi

Wer kennt sie nicht die bekannte Komödie nach dem berühmten Roman von Erich Kästner. Verschiedentlich verfilmt und von Unzähligen Berufs- uns Amateurbühnen inszeniert, haben wohl schon Millionen von Menschen über dieses Stück gelacht und hoffentlich auch den tieferen Sinn darin erkannt, dass Geld alleine nicht der Weg zum Glück bedeutet. Die Volksbühne Cham hat die nicht einfache Aufgabe der Inszenierung gut gelöst und bietet mit einer geschlossenen Ensembleleistung gutes Volkstheater.

Unter dem Titel "Das lebenslängliche Kind" wurde das Stück in den dreissiger Jahren nach dem Roman von Erich Kästner - erschienen 1934 _ geschrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand es auch Zugang auf den Schweizer Volksbühnen, nachdem es der Zürcher Volkstheatermann Leo Seidl ins Schweizerdeutsche übersetzt und unter dem Titel "Zäh Tag Gratisferie" herausgebracht hatte.
Die Chamer Volksbühne hielt sich an eine neuere Fassung von Charles Lewinsky (Schweizer Autor u. a. von unzähligen Schlagertexten und Fernsehshows) der publikumswirksarne Tanzszenen einbaute - in Cham vom Tanzpaar Gabi Schmid und Dani Steiner hervorragend getanzt - und populäre Gags einbaute. Die Geschichte ist wohlbekannt. Ein arbeitsloser Werbefachmann - vor 60 Jahren herrschte wie heute eine Wirtschaftskrise - gewann in einem Wettbewerb den ersten Preis und durfte sich dafür während zehn Tagen  im mondänen Grand Hotel St. Moritz Gratisferien leisten. Gleichzeitig gab sich ein wirklicher Multimillionär als armer Schlucker aus, der im gleichen Wettbewerb den zweiten Preis gewonnen hatte, und zum Ärger aller Hotelinsassen das Innenleben eines Luxushotels störte. Die beiden werden verwechselt und so entwickelt sich eine amüsante Geschichte, die aber auch mit sozialkritischem Tiefgang ausgestattet ist.

Gute Leistungen
Der Fünfakter beansprucht in der Chamer Inszenierung gut drei Stunden (mit den Pausen) und hier wäre die einzige Kritik anzubringen. die einzige Kritik anzubringen. Eine gewisse Straffung des Stoffes hätte dem Stück wohl nur gut getan. Ansonsten hat Regisseur Guido von Salis sein Team im Griff. Man spürte seine führende Hand und das "Gespür" für die richtige Akzentsetzung und den termingerechten Einsatz der Gags. Von Salis steht aber auch in der Volksbühne Cham ein gutes Ensemble zur Verfügung, das im Verlaufe der letzten Jahre merklich Fortschritte gemacht hat.
Ausgezeichnet die natürliche Biederkeit des Generaldirektors Tobler als armer Schlucker (Franz Kaufmann), der es aber versteht, seine eigentliche gesellschaftliche Stellung im richtigen Moment nicht vergessen zu lassen. Frisch und ungekünstelt das Spiel von Dr. Fritz Hagedorn (Martin Kaufmann), der vor allem auch in den Szenen mit der aufdringlichen Frau Casparius (Annalena Betschart) vielbelachte und beklatschte Höhepunkte hat, wenn er in einer verfänglichen Szene beispielsweise sagt: "Und debii hät d'Muetter gseit, ich söll uf Lawine ufpasse". Johann, der Chauffeur Toblers (Harry Sturzenegger), zeigt sehr schön, wie er in die Rolle eines versnobten Financiers gezwängt wird und Tante Marili, Toblers Haushälterin (Angelina Maggi) versteht es bestens, den mütterlichen Aspekt einer langjährigen Hausangestellten zu verkörpern. Hedi Tobler, die Tochter des Multimillionärs (Alice Sidler) dürfte ihre gewollte (oder ungewollte) Zurückhaltung in ihrem Spiel vielleicht etwas lockern, vor allem in den Liebesszenen. Sehr gut fügt sich auch der Concierge Poltera (Karl Köpfli) ins Geschehen ein, zusammen mit den Trägern der kleineren, aber ebenso wichtigen Rollen wie der Kellner (Walter Lässer), der Portier (Adrian Wyttenbach), der Hotelpage (Christian Achleitner), der Hoteldirektor (Guido von Salis) und die Hotelgäste Frau von Malebre (Beatriz Mondin) und Frau Sarasin (Trudy Lang)
Alles in allem eine gute Leistung der Volksbühne Cham, die erstmals alle Vorteile der tollen Bühne im Lorzensaal auskosten kann und anlässlich der Premiere mit viel und sehr verdientem Zwischen- und Schlussapplaus belohnt wurde für die gezeigten Leistungen. Ein wirklich vergnügter Abend.

XHTMLCSS